03733-5629-0  Am Sauwald 1 / 09487 Schlettau / OT Dörfel

Informations- und Aufklärungsreihe

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Informations- und Aufklärungsreihe zu ausgewählten Natur-Schutzgütern und biologischer Vielfalt im Erzgebirgskreis 2024

Die Biodiversitätskrise ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Der Erhalt natürlicher Lebensgrundlagen ist ein entscheidendes Kriterium für die Lebensqualität nachfolgender Generationen.

Deshalb setzt das Naturschutzzentrum Erzgebirge 2024 in seiner Öffentlichkeitsarbeit den Schwerpunkt auf die informative Wissensvermittlung im Bereich Arten- und Biotopschutz. Denn getreu dem Motto „Nur was man kennt, kann man schützen“ wollen wir mehr Akzeptanz für den Schutz der biologischen Vielfalt in der Bevölkerung, unter den Landnutzern und anderen Interessenvertretungen erreichen.

Im Zeitraum Januar bis Dezember 2024 finden monatlich je 2 Informationsveranstaltungen zum Themenschwerpunkt Arten- und Lebensraumschutz in Form von Vorträgen oder Exkursionen statt. Wir möchten Interessierten einige im Erzgebirgskreis beheimatete, gefährdete Tier- und Pflanzenarten sowie deren Lebensräume und Habitate vorstellen. Unser Anliegen ist, auf deren drängenden Erhalt und auch auf die teilweise bereits notwendige Wiederherstellung dieser Natur-Schutzgüter aufmerksam zu machen.

Alle Veranstaltungen sind kostenfrei. Anmeldung ist erforderlich.

Hinweise zur Anmeldung

Bitte melden Sie sich verbindlich an. Hinterlassen Sie Name, Anzahl der Personen und eine Mailadresse oder Telefonnummer, unter der wir Sie im Falle des Ausfalls/ Verschiebens der Veranstaltung kurzfristig erreichen können. Vielen Dank!

Vorzugsweise Anmeldung per Mail unter zentrale@nsz-erz.de

Anmeldung per Telefon unter 03733 5629-12 (7-12 Uhr, ohne Donnerstag) oder 03733 5629-0 (Anrufbeantworter)


Veranstaltungen 2024

Samstag, 27. April 2024 Naturkundliche Wanderung „Die Vogelwelt in der Heckenlandschaft am Pöhlberg"

Treffpunkt: Parkplatz an den „Butterfässern“ am Pöhlberg (verlängerte Ernst-Roch-Straße in 09456 Annaberg-Buchholz)

Exkursionsleiter: Stefan Siegel (Naturschutzzentrum Erzgebirge gGmbH)

Beginn: 7.30 Uhr

Dauer: ca. 2-3 Stunden

Strecke: ca. 5 km

Die Kulturlandschaft am Pöhlberg ist einzigartig; zahlreiche Hecken gliedern und beleben die Landschaft. Gehölzbestände aus Weißdorn, Wildrosen, Ahorn, Esche, Wildkirsche u.v.a. bieten darüber hinaus Lebensraum für eine charakteristische Vogelwelt, die hier Schutz, Nahrung und Brutplatz findet. Auf einer morgendlichen Wanderung mit einem Vogel-Kenner soll der Lebensraum Hecke und seine Bewohner vorgestellt werden. Außerdem werden Informationen zur den erforderlichen Schutzmaßnahmen gegeben.

Festes Schuhwerk und witterungsgemäße Kleidung sind unbedingt erforderlich.

Fernglas, soweit vorhanden, von Vorteil.

Begrenzte Teilnehmerzahl, daher verbindliche Anmeldung im Naturschutzzentrum erforderlich.

Achtung! Bei Unwetterwarnung, Sturm oder sehr starken Regen muss die Veranstaltung ggf. verschoben werden. Kurzfristige Informationen dazu erhalten Sie unter der Telefonnummer 01517 0798954.

Link zur Anreise

Foto: Ines Schürer

Dienstag, 21. Mai 2024 Vortrag „Der Feuersalamander in Sachsen"

Ort: Seminarraum am Naturschutzzentrum Erzgebirge gGmbH, Am Sauwald 1, 09487 Schlettau, OT Dörfel

Referent: Andreas Püwert

Beginn: 17 Uhr

Dauer: ca. 2 Stunden

In diesem Vortrag gibt ein Artenkenner Einblick in die Kulturgeschichte des Feuersalamanders. Außerdem erfahren wir Interessantes zur Lebensweise und zu den Habitatansprüchen dieser faszinierenden Amphibien-Art. Darüber hinaus sollen Probleme, die sich für den Feuersalamander aus den Auswirkungen des Klimawandels und aus Pilzerkrankungen ergeben, thematisiert werden. Nicht zuletzt werden notwendige Schutzmaßnahmen unter besonderer Berücksichtigung der Vorkommen im Erzgebirge vorgestellt.

Es ist eine verbindliche Anmeldung im Naturschutzzentrum erforderlich.

Link zur Anreise

Foto: Andreas Püwert

Dienstag, 28. Mai 2024 Vortrag und abendlicher Fledermaus-Netzfang „Fledermaus-Abend"

Treff: Seminarraum am Naturschutzzentrum Erzgebirge gGmbH, Am Sauwald 1, 09487 Schlettau, OT Dörfel

Referenten: Marko Eigner, Caroline Schulze, Anja Fritzsche (Umweltplanung Eigner Chemnitz)

Beginn: 19.30 Uhr Vortrag, ab ca. 21.15 Uhr Netzfang, voraussichtliches Ende gegen 22.15 Uhr

Dieser Themen-Abend steht ganz im Zeichen unserer Fledermäuse. Begonnen wird mit einem informativen Vortrag eines Artenspezialisten über die Lebensweise, Habitate und Quartiere der im Erzgebirgskreis vorkommenden Fledermaus-Arten. Fledermäuse sind eine faszinierende Artengruppe, die man aber leider eher selten aus der Nähe beobachten kann. Deshalb wollen wir im Anschluss das Gelände um das Naturschutzzentrum mittels Fledermaus-Detektor untersuchen und Fachleuten beim Fledermaus-Netzfang und der Beringung der Tiere über die Schulter schauen.

Witterungsgemäße Kleidung ist angebracht. Taschenlampe, soweit vorhanden, von Vorteil.

Begrenzte Teilnehmerzahl, daher verbindliche Anmeldung im NSZ erforderlich.

Achtung! Bei Unwetterwarnung, Sturm oder sehr starken Regen muss die Veranstaltung ggf. verschoben werden. Kurzfristige Informationen dazu erhalten Sie unter der Telefonnummer 01517 0798954.

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Foto: Wasserfledermaus (Myotis daubentonii) AGAMI-stock.adobe.com

Mittwoch, 12. Juni 2024 Naturkundliche Wanderung „Die Bergwiesen um Carlsfeld - Artenreichtum mit Pflegebedarf"

Treffpunkt: gebührenpflichtiger Wanderparkplatz am Ortseingang Carlsfeld aus Richtung Wildenthal kommend, Carlsfelder Hauptstraße, 08309 Eibenstock, OT Carlsfeld

Exkursionsleiterinnen: Antje Blohm, Ines Schürer (Naturschutzzentrum Erzgebirge gGmbH)

Beginn: 16 Uhr

Dauer: ca. 2-3 Stunden

Strecke: ca. je nach Wegeverlauf 3-4 km

Rings um die Ortslage Carlsfeld sind durch menschliche Nutzung artenreiche Berg-Mähwiesen und seltene Borstgrasrasen entstanden und erhalten geblieben. Diese blütenbunten Offenflächen sind bedeutsame Lebensräume für botanische Kleinode und gefährdete Tierarten. Der Fortbestand der Arten ist auf eine naturverträgliche, extensive Nutzung angewiesen. In einigen Fällen wird dies durch eine Naturschutz-Wiesenpflege umgesetzt. Wir möchten Ihnen gerne zeigen, was alles zum Erhalt von Arnika, Sumpf-Läusekraut und Teufelsabbiss beitragen kann.

Begrenzte Teilnehmerzahl, daher verbindliche Anmeldung im Naturschutzzentrum erforderlich.

Achtung! Bei Unwetterwarnung, Sturm oder sehr starken Regen muss die Veranstaltung ggf. verschoben werden. Kurzfristige Informationen dazu erhalten Sie unter der Telefonnummer 01517 0798954.

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Foto: Ines Schürer

Freitag, 14. Juni 2024 Moorkundlicher Spaziergang „Moore im Erzgebirge - Lebensraum für spezialisierte Arten"

Treffpunkt: Parkplatz an der (Drei)Brückenstraße 53 (am Ortsausgang Kühnhaide Richtung B 174) in 09496 Marienberg, OT Kühnhaide

Exkursionsleiterin: Anke Haupt, Naturpark Erzgebirge/ Vogtland

Beginn: 15 Uhr

Dauer: ca. 2-3 Stunden

Strecke: 2,2 km

Moore sind Lebensräume mit extremen Lebensbedingungen. Einige Arten haben sich dennoch an die nährstoffarmen und sauren Bodenverhältnisse auf interessante Weise angepasst. Moor-Lebensräume spielen zudem eine Schlüsselrolle im Landschaftswasserhaushalt oder wirken als CO2-Senke. Leider sind die Moore auf dem Erzgebirgskamm - wie anderswo auch - vielfältigen Gefährdungen ausgesetzt. Die sach- und ortkundige Naturpark-Fachberaterin führt uns über den Moorlehrpfad Stengelhaide und gewährt einen Einblick in das interessante Wirkgefüge im Ökosystem Moor.

Witterungsgemäße Kleidung, festes Schuhwerk und Trittsicherheit sind insbesondere bei feuchtem Wetter erforderlich.

Begrenzte Teilnehmerzahl, daher verbindliche Anmeldung im Naturschutzzentrum erforderlich.

Achtung! Bei Gewitter, Sturm oder Unwetterwarnung muss die Veranstaltung ggf. verschoben werden. Kurzfristige Informationen dazu erhalten Sie unter der Telefonnummer 01517 0798954.

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Foto: Ines Schürer


Veranstaltungsrückblick 2024

Mittwoch, 7. Februar 2024 Vortrag „Mehr Artenschutz im Siedlungsraum“

Referent: Dr. Matthias Nuß (Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden)

Zu diesen Vortrag kamen 32 Teilnehmer, die ein breites Spektrum aus interessierten Privatpersonen, Naturschutzakteuren und Mitarbeitern von Kommunen und Landkreis repräsentierten.

„Mehr Raum und Zeit für Insekten“ – unter diesem Motto steht das iNUVERSUMM-Projekt, welches Dr. Nuß zu Beginn seines Vortrages vorstellte. Es handelt sich dabei um ein sachsenweites Projekt, welches das Thema Insekten und Biodiversität im Siedlungsraum zum Inhalt hat und verschiedene Aktiviäten auf privater und kommunaler Ebene iniitiert und unterstützt. Die Projektpartner bieten Beratung und Unterstützung vor Ort an.

Lokaler Projektpartner des iNUVERSUMM-Projektes:

Frau Buchau vom Landschaftspflegeverband (LPV) „Mittleres Erzgebirge“ stellte sich als lokaler Projektpartner des iNUVERSUMM-Projektes für den Erzgebirgskreis vor. Der LPV bietet Hilfe bei der Umsetzung verschiedenen Maßnahmen an und gab einen kurzen Überblick über bestehende Fördermöglichkeiten (im privaten Garten eher begrenzt).

►Beratungskontakt:

Landschaftspflegeverband (LPV) „Mittleres Erzgebirge“ e.V.

Am Sportplatz 14, 09456 Mildenau

Claudia Buchau, Tel.: 03733 – 596770, Mail: info@lpvme.de

Dr. Nuß verwies auf die interaktiven Sachsenkarte auf der Projekt-Website, in der die verschiedenen Lebensräume für Insekten in Sachsen bzw. lokale Aktivitäten zum Insektenschutz aufgerufen werden können. Jeder kann „Sein iNUVERSUMM“ anlegen und damit das Projekt mit (Insekten)Leben füllen, indem er seinen eigenen Insektenlebensraum meldet. Dieser Eintrag, der in der interaktiven Karte verortet wird, kann mit Fotos, Blog-Einträgen und Artenlisten ergänzt werden.

Nachfolgend ging Dr. Nuß auf die Auswirkungen von Bewirtschaftungs-Änderungen auf wenig genutztem Grün in dem Kommunen ein. In der kommunalen Grünlandpflege kann eine Änderung des Mahdregimes viel bewirken: Verringerung der Schnitthäufigkeit, gestaffelte Mahden, Belassen von einzelnen Wiesenabschnitten sowie der Verzicht auf das Mulchen können einen wesentlichen Beitrag zur Artenvielfalt leisten. Dass sich die Mühen lohnen zeigte Dr. Nuß anschaulich an der Rückkehr von sehr seltenen Arten nach Extensivierung von kommunalem Grün in Dresden und Eilenburg: Stacheltragende Kegelbiene, Blaue Ehrenpreis-Sandbiene und Wegerich-Scheckenfalter sind hier beobachtet worden: „Auch seltene Arten kehren zurück“.

Naturnäheres Grün in der Siedlung ist weiterhin bedeutsam für die Abmilderungen der negativen Effekten im Zusammenhang mit dem Klimawandel (z.B. durch Temperatursenkung und Senkung der Staubbelastung). Hervorzuheben ist hier der Wert der Gehölze, insbesondere der heimischen Gehölze. Sehr eindrucksvoll war diesbezüglich die Gegenüberstellung der Anzahl Insektenarten an einheimischen sowie an gebietsfremden Gehölzgattungen. Dr. Nuss zeigte auch einige Möglichkeiten auf, wie Bürger, Kommunen und Eigentümer etwas für mehr Natur in der Stadt/ Gemeinde tun können: Pflegepatenschaften für Baumscheiben, Änderungen in Bewirtschaftungsverträgen, Fassadenbegrünung, Dachbegrünung, unverfugte Pflasterungen usw.

Hinweis für weiterführende Informationen:

Praxistipps für Wiesen, Gärten und Bäume auf der Website www.iNUVERSUMM.de

Inkl. Download-Bereich (im Aufbau)

Mittwoch, 14. Februar 2024 Vortrag „Fledermäuse an Gebäuden – heimliche Mitbewohner“

Referent: Marko Eigner (Umweltplanung Eigner Chemnitz)

Insgesamt kamen 37 Teilnehmer zu diesem Vortrag, bei dem es schwerpunktmäßig um die an Gebäuden lebenden Fledermaus-Arten im Erzgebirgskreis ging.

Diese Fledermausarten nutzen im Jahreslauf unterschiedliche Gebäudestrukturen als Quartiere. So sind Fledermäuse in Ritzen und Spalten in der Fassade, hinter Fensterläden, Holz- und Schieferverkleidungen, in Kellern, auf Dachböden usw. anzutreffen. Dabei werden alle möglichen Gebäudetypen genutzt von der Scheune über Lagerhallen bis hin zum Einfamilienhaus und Plattenbau. Oftmals bleibt ihre Anwesenheit unbemerkt.

Artnachweise an Quartieren gelingen über Kotspuren oder Sichtbeobachtung. Darüber hinaus kann man fliegende Fledermäuse mittels Detektorkontrolle, Netzfang oder Telemetrie besenderter Tiere nachweisen.

Herr Eigner stellte die imErzgebirgskreis vorkommenden Fledermaus-Arten, die Gebäudestrukturen nutzen, im Einzelnen vor. Von der kleinsten – der erst seit ein paar Jahren als eigenständige Art geführten Mückenfledermaus mit 4 g Körpergewicht (nutzt u.a. Quartiere in Außenfassaden von Gebäuden) – bis hin zur größten – der 40 g schweren „Dachbodenfledermaus“ Großes Mausohr, welche größere Wochenstuben freihängend in Dachböden bildet.

Bedeutsam für das Bergland ist auch die Nordfledermaus, zu deren Verbreitung im Erzgebirge in den letzten Jahren Untersuchungen stattfanden. Die Art hat ihren Schwerpunkt im Raum Zwönitz, Affalter, Thalheim und nutzt z.B. Gebäudespalten in Fassaden- und Kaminverkleidungen als Quartier.

Jeder Art hat ihre eigene, arttypische Ruffrequenz, die mittels Batcorder/ Detektor ermittelt und zugeordnet werden kann. So gelang es erst in neuerer Zeit, die Zwergfledermaus mit Echoortungslauten von 45 kHz von ihrer Zwillingsart, der Mückenfledermaus, die eine Endfrequenz von 55 kHz aufweist, zu unterscheiden.

Die gebäudenutzenden Fledermaus-Arten leiden zunehmen unter Quartiermangel infolge Gebäudesanierung: Ritzen und Spalten verschwinden, Lüftungsschlitze werden mit Gittern versehen usw.. Bei Bauvorhaben sind deshalb oftmals vorherige Untersuchungen (Artenschutzfachbeiträge) möglicher Fledermaus-Vorkommen erforderlich. Im Bedarfsfall müssen geeignete Ersatzquartiere geschaffen werden, z.B. Modelle zum Einbau in die Fassaden oder Spaltenquartiere in geeigneten Fledermauskästen für die Anbringung außen. Es ist eine entsprechende ökologische Baubegleitung während der Bauphase notwendig, damit es nicht zu Fehlern bei Einbau kommt. Herr Eigner hatte einige Fledermauskästen verschiedener Herstellern als Anschauungsbeispiele mitgebracht. Bei Modellen der Fa. Schwegler sind mit Lieferzeiten mit bis zu 2 Jahren zu rechnen, Modelle der Fa. Hasselfeldt sind lieferbar.

Sie möchten etwas tun für Fledermäuse?

Zusätzliche Ersatzquartiere können auch ohne konkrete Bauvorhaben und aus reinem Interesse an den Fledermäusen jederzeit von Privatleuten angeboten werden. Dabei ist auf die Spaltenbreite achten, die arttypisch verschieden ist, aber 2,5 cm nicht überschreiten sollte (einige Bauanleitungen sind diesbezüglich nicht optimal). Ein freier Anflug ist zu gewährleisten. Daneben sollte im Umfeld auf Pestizide o.ä. verzichtet werden und der Garten naturnah gestaltet sein.

Gesetzlicher Schutz der Fledermaus-Arten

Alle Fledermaus-Arten stehen im Anhang IV der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG), einige von ihnen gelten darüber hinaus als Arten von gemeinschaftlichem Interesse, für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete eingerichtet werden müssen (sog. FFH-Anhang II-Arten). Im bundesdeutschen Naturschutzrecht sind Fledermäuse gemäß Artikel § 7 als besonders“ und „streng geschützte“ Arten eingestuft.

Damit genießen Fledermäuse und ihre Lebensstätten den höchsten Schutzstatus.

Funde und Quartiere können bei der unteren Naturschutzbehörde des Erzgebirgskreises gemeldet werden. Der gesetzliche Schutz der Quartiere gilt auch, wenn diese zeitweilig nicht besetzt sind.

Weiterführende Informationen zu Fledermäusen und Fledermausschutz in Sachsen inkl. lokalen Ansprechpartner hier https://fledermausschutz-sachsen.de/

Samstag, 17. Februar 2024 Vogelkundliche Wanderung „Wintergäste an der Flöha“

Exkursionsleiter: Udo Kolbe (Olbernhau, Verein sächsischer Ornithologen e.V.)

Bei schneefreien und stabilen Wetter kamen 24 Teilnehmer, um an der vogelkundlichen Exkursion im Flöhatal bei Blumenau teilzunehmen. Die vogelkundliche Wanderung führte uns entlang des Flöhatalweges im Bereich Naturschutzgebiet (NSG) „Alte Leite“ über das Wasserkraftwerk Kamerum bis auf Höhe Nennigmühle. Von dort entlang des Waldsaumes und später durch den Laubmischwald in Richtung Sorgau und von hier durch die Offenlandschaft um Sorgau wieder zurück zum Ausgangspunkt der Wanderung im Siedlungsbereich Blumenau.

Wir haben also ganz verschiedene Vogellebensräume durchwandert. Das schlägt sich auch in der Liste der beobachteten Vogelarten wider. Zu Beginn der vogelkundlichen Wanderung hat Exkursionsleiter Udo Kolbe die Teilnehmer schätzen lassen, wie viele Vogelarten uns wohl begegnen werden. Die allgemein geschätzten 15 Vogelarten wurden weit übertroffen: insgesamt konnten wir 28 Vogelarten der verschiedensten Habitate beobachten oder verhören (s. Liste)!

Neben zahlreichen Arten, die man im Winter typischerweise beobachten kann (z.B. Erlenzeisig, Rotkehlchen, Amsel, Baumläufer, Zaunkönig usw.) konnten wir auch 1 Paar des deutschlandweit gefährdeten Gänsesägers(Mergus merganser) auf der Flöha beobachten. Gänsesäger zählen zu den typischen Wintergästen an unseren größeren Flüssen. In den letzten Jahren verdichten sich die Hinweise, dass die Art auch versucht, bei uns zu brüten. Damit wäre sie eigentlich ganzjährig auf der Flöha zu Hause. Es wurden mehrere Gänsesäger-Nistkästen aufgehangen, um die Art bei ihren Brutversuchen zu unterstützen.

Darüber hinaus konnten wir die Gebirgsstelze(Motacilla cinerea) beobachten, auch ein typischer Bewohner erzgebirgischer Bäche und Flüsse. Den Graureiher (Ardea cinerea), der hier ebenfalls seinen Lebensraum hat, konnten wir leider nur als Rupfung nachweisen. Der abgebissene Federkiel verwies auf Fuchs oder Fischotter(Lutra lutra) als Beutegreifer. Letzterer ist als eine Art der Anhänge der EU-FFH-Richtlinie sowie im Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt und mittlerweile auch an der Flöha verbreitet. Nicht beobachten konnten wir die typischen gewässerbewohnenden Vogelarten Eisvogel, Wasseramsel und Kormoran.

An einer Fischaufstiegshilfe („Fischtreppe“) an einem großen Wehr wurde auf die Notwendigkeit der Durchlässigkeit für wandernde Gewässerbewohner hingewiesen. Daneben wurde die Bedeutung des Exkursionsgebietes als EU-Schutzgebiete hervorgehoben: das Flöhatal ist nicht nur Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet 251 „Flöhatal“) sondern auch EU-Vogelschutzgebiet (SPA-Gebiet 69 „Flöhatal“). Das Flöhatal ist damit wesentlicher Bestandteil des grenzübergreifenden, EU-weiten Schutzgebietsnetzes Natura 2000.

Das Flöhatal nördliche Blumenau mit seinen naturnahen Hainsimsen-Buchenwäldern sowie edellaubholzreichen Schlucht- und Hangmischwäldern ist bereits seit 1961 Naturschutzgebiet: NSG „Alte Leite“. NSG sind deutsche Landesschutzgebiete, unterliegen also sächsischem Naturschutzrecht. Durch die steile Hanglage konnte sich ein hoher Totholzanteil im Gebiet halten. Udo Kolbe machte auf den besonderen Wert des Totholzes nicht nur für die Vogelwelt aufmerksam. Moose und Flechten besiedeln Totholzstrukturen, Baumhöhlen sind wichtig für zahlreiche höhlenbewohnende Vogelarten und ihre „Nachmieter“ (Insekten, Kleinsäuger usw.).

Im Gebiet gibt es auch einige offene Feldbildungen, die vermutlich Horstplatz unserer größten Eule, des Uhus (Bubo bubo) sind. Wo genau der Nist-Standort ist kann auf Grund der steilen Hanglage nicht ausfindig gemacht werden – ideale Bedingungen für ungestörtes Brüten. Die Vormittagsstunden zählen nicht zu den Aktivitätszeiträumen des Uhus, sodass wir seinen „Buho“-Ruf nicht vernehmen konnten. Der Uhu ist Art der EU-Vogelschutzrichtlinie.

Ab Nennigmühle verlief der Wanderweg entlang eines strukturierten Waldsaumes, der nicht nur einen harmonischen Übergang zwischen Wald und Offenland bildet, sondern auch Lebensraum, Nistplatz und Nahrungsangebot für zahlreiche Tierarten ist.

Im Offenlandbereich um Sorgau haben wir dann noch weitere interessante Vogelarten beobachten können. Udo Kolbe zeigte uns u.a. Feldsperling (Passer montanus), Feldlerche (Alauda arvensis), Star (Sturnus vulgaris) und Dohle (Coloeus monedula), die als ehemals häufige Bewohner der Landwirtschafts- und Siedlungsgebiete heute teilweise in der Roten Listen/ Vorwarnlisten der Vögel Sachsens und Deutschlands gelistet sind.

Auf der Exkursion wurden uns von Udo Kolbe, einem Gebiets- und Artenkenner, sehr kurzweilig typische Vogelarten der verschiedenen Lebensräume/ Habitate im Flöhatal vorgestellt, die man auch im (ausgehenden) Winter gut beobachten oder verhören kann. Vielleicht bleibt dem einen oder anderen Teilnehmer durch die unterhaltsamen Geschichten zu den Arten („…zum Nahrungsspektrum des Uhus gehören auch gefährdete Arten wie Schwarzstorch und Wanderfalke…“) ein Teil davon in dauerhafter Erinnerung.

Weiterführende Informationen:

Natura 2000, FFH- und SPA-Gebieten in Sachsen

https://www.natura2000.sachsen.de/

Rote Liste Brutvögel Deutschland 2021:

https://www.dda-web.de/voegel/rote-liste-brutvoegel

Rote Liste Wirbeltiere Sachsen 2015:

https://www.natur.sachsen.de/download/natur/RL_WirbeltiereSN_Tab_20160407_final.pdf

Exkursion Flöha/Alte Leite am 17.02.2024, 8:50 bis 12:05 Uhr

 

dt. Artname

wiss. Artname

Genauigkeit Anzahl

Anzahl

Alter/Geschlecht

1

Zaunkönig

Troglodytes troglodytes

 

3

 

2

Waldbaumläufer

Certhia familiaris

 

1

 

3

Wacholderdrossel

Turdus pilaris

>

4

 

4

Stieglitz (Distelfink)

Carduelis carduelis

>

1

 

5

Star

Sturnus vulgaris

~

25

 

6

Rotkehlchen

Erithacus rubecula

 

1

 

7

Rabenkrähe

Corvus corone

 

2

 

8

Misteldrossel

Turdus viscivorus

 

1

 

9

Mäusebussard

Buteo buteo

 

1

 

10

Kohlmeise

Parus major

>

15

 

11

Kleiber

Sitta europaea

>

25

 

12

Kernbeißer

Coccothraustes coccothraustes

>

1

 

13

Haussperling

Passer domesticus

>

3

 

14

Grünfink

Chloris chloris

~

5

 

15

Graureiher

Ardea cinerea

 

1

 

16

Gimpel (Dompfaff)

Pyrrhula pyrrhula

~

5

 

17

Gebirgsstelze (Bergstelze)

Motacilla cinerea

 

1

 

18

Gartenbaumläufer

Certhia brachydactyla

 

2

 

19

Feldsperling

Passer montanus

>

2

 

20

Feldlerche

Alauda arvensis

>

2

 

21

Erlenzeisig

Spinus spinus

>

40

 

22

Eichelhäher

Garrulus glandarius

>

2

 

23

Dohle

Coloeus monedula

>

2

 

24

Buntspecht

Dendrocopos major

>

5

 

25

Blaumeise

Cyanistes caeruleus

>

30

 

26

Amsel

Turdus merula

~

4

 

27

Misteldrossel

Turdus viscivorus

 

1

 

28

Gänsesäger

Mergus merganser

 

2

1x Männchen / 1x Weibchen

Dienstag, 27. Februar 2024 Vortrag „Wildtier Wolf – Interessantes zur Biologie und Lebensweise“

Referent: Ingolf Wehner (Referent der Umweltbildungsstelle Wolf in Rietschen, zuständig für den Erzgebirgskreis)

Zu diesen interessanten Vortrag hätten wir uns mehr Teilnehmer gewünscht. Inhaltlicher Schwerpunkt war die Biologie des Wildtieres Wolf – Ökologie, Management und Konflikte.

Der Wolf (Canis lupus) - Stammvater unserer Haushunde - galt vor 200 Jahren bei uns als ausgerottet. Die sächsischen Wölfe wanderten Ende der 1990er/ Anfang der 2000er Jahre aus Polen wieder zu uns ein.

Gemäß der EU-Entscheidung vom 27.2.2024 (dem Tag unseres Vortrages!) bleibt der Wolf vorerst auch weiter „streng geschützt“ – eine Entscheidung über eine Lockerung des Schutzstatus wurde verschoben.

Die sächsischen Wolfvorkommen bestanden im Monitoringjahr 2022/ 23 aus 38 Rudeln, 4 Paaren und 2 territorialen Einzeltieren. In 33 von diesen 44 Territorien gab es Nachwuchs: mindestens 129 Welpen wurden geboren.

Deutschlandweit gab es in diesem Zeitraum 184 Rudel mit 634 Welpen. Es ist eine hohe Rudeldichte nordöstlich der Linie Dresden, Leipzig, Hannover, Bremen festzustellen. In Deutschland beträgt die von der Nahrungsdichte abhängige Territoriumgröße 150-350 km2; in Skandinavien über 1000 km2.

Der Vortragsreferent Ingolf Wehner stellte als Umweltbildungsreferent der Fachstelle Wolf Interessantes zur Lebensweise des Wolfes vor: Paarungszeit, Tragzeit, Rudelgröße, Wanderbewegungen, Jagdstrategien usw. So besteht ein Wolfsrudel im Herbst aus 7-13 Tieren. Am Senckenberg Museum werden Nahrungsanalysen durchgeführt, die gezeigt haben, dass je nach Wolfsterritorium in veränderlichen Anteilen hauptsächlich Reh, Rothirsch, Damhirsch, Wildschwein, Hasenartige und auch Nutztiere zum Nahrungsspektrum gehören. Manche Rudel werden zu regionalen Nahrungsspezialisten: in der Königsbrücker Heide fressen sie Biber!

Herr Wehner stellte die Trittsiegel/ Spuren des Wolfes im Vergleich zu anderen größeren Raubtieren (Fuchs, Goldschakal) und Haushund vor. Bei einer Spurendokumentation sind immer mehrere Fotos vom Standort und seiner Umgebung und Größenvergleich notwendig. Die wolfstypische Spur ist der geschnürte Trab. Losung (Kot) ist mindestens 20 cm lang, enthält oftmals Haare und Knochenanteile und wird auch oft mitten auf einem Weg/ Pfad abgesetzt. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturkunde untersucht alle bundesweit anfallenden Proben für ein genetisches Monitoring. So konnte man u.a. feststellen, dass es in Deutschland keinen erhöhten Haushund-Anteil im Wolfsgenom gibt. Zwischen 2000 und 2019 gab es 3 bekannte Wolf-Hund-Verpaarungen; sie sind also eine Ausnahme.

Die Wölfe haben eine hohe Welpen-Sterblichkeit im 1. Jahr. Andere natürliche Todesursachen sind Krankheiten (Räude, Staupe, Parvovirose, Pseudowut) und innerartliche Konkurrenz (Revierverteidigung). Eine nicht unerhebliche Anzahl wird im Straßenverkehr getötet.

Auch wenn das Wildtier Wolf Thema des Vortrages war, so muss am Ende doch auch das „Problemtier“ Wolf genannt sein, eine menschliche Klassifizierung. Wolf und Mensch - ein fassettenreiches Thema. Trotz einer steigenden Anzahl an Wolfsterritorien bleibt die durchschnittliche Anzahl an Haus/Nutztier-Übergriffen pro Territorium auf vergleichbarem Level. Die Zahl der geschädigten Nutztiere stieg hingegen zuletzt 2022 in Sachsen deutlich an. Präventionsmaßnahmen waren nicht Gegenstand des Vortrages.

Und ist der Wolf für den Menschen gefährlich? Übergriffe sind (weltweit) sehr selten und geschehen immer unter speziellen Umständen: die Tiere haben Tollwut (Deutschland ist tollwutfrei!), wurden in die Enge getrieben oder wurden konditioniert durch Anfüttern, haben also ihre Scheu verloren. Bei einer Begegnung mit dem Menschen ziehen sich die Wölfe normalerweise zurück, nicht fluchtartig, sondern davontrabend. In Deutschland verhalten sie sich dem Menschen gegenüber argwöhnisch, aber nicht übermäßig scheu.

Hinweis für weiterführende Informationen:

https://www.wolf.sachsen.de/index.html

Freitag 15. März 2024 Vortrag und naturkundliche Exkursion „Lebensräume für Erdkröte, Grasfrosch & Co. richtig gestalten"

Den Inhalt des Vortrages finden Sie unten stehend als Pdf-Datei zum Download.

Lebensraum für Grasfrosch & Co. richtig gestalten.

Mittwoch, 20. März 2024 Vogelkundliche Wanderung „Abenexkursion ins Reich der Eulen"

Der Einladung zur Exkursion ins Reich der Eulen folgten zahlreiche Teilnehmer. Ein ortskundiger Ornithologe führte die interessierten Wanderer in das Preßnitztal, wo sie den Balz- und Revierrufen von Uhu, Wald- und Sperlingskauz lauschen konnten. Weiterhin wurde viel Wissenswertes zur Lebensweise und zu Möglichkeiten des Eulenschutzes vermittelt.

Mittwoch, 17. April 2024 Vogelkundliche Wanderung „Die Vogelwelt am Rastplatz Niederer Halsbach bei Dorfchemnitz/ Zwönitz“

Exkursionsleiter: Joachim Wolle (Zwönitz, Verein sächsischer Ornithologen e.V.)

Zu Beginn dieser Exkursion zog eine Wetterfront heran, die ergiebige Regenfälle, durchmischt mit Schneeflocken, brachte. Die Teilnehmer der Exkursion mussten sich in ihre Autos zurückziehen. Mit 40minütiger Verspätung starteten wir dann Richtung Niederer Halsbach, welcher sich als Biotopinsel inmitten einer intensiv genutzten Agrarlandschaft vor uns auftat. Exkursionsleiter Joachim Wolle machte auf die entsprechenden negativen Auswirkungen aufmerksam: Stoffeinträge, verinselte Lage in ausgeräumter Landschaft, umgeben von zahlreichen Hochspannungsleitungen. Neuere Entwicklungen sehen im direkten Umfeld auch Windkraftanlagen mit einer Höhe von 200 m vor, welche dem Rastgebiet sicherlich abträglich sein werden.

Aktuell ist das Gebiet ein wichtiges Rastgebiet für Zugvögel, nicht zuletzt gerade wegen dieser Insellage, da sich im Umfeld kaum andere geeignete Strukturen bieten. Kommen Zugvögel aus dem Süden über den Höhenzug des Erzgebirges mit der Geyerischen Platte finden sie hier aufgrund der offenen Gewässer- und Saumstrukturen geeignete Rastmöglichkeiten, bevor sie ins Hügel- und Tiefland Richtung Stollberg und Chemnitz weiterziehen.

Der Exkursionstermin musste im Nachhinein eher als ungünstig eingestuft werden (was im Vorfeld aber nicht planbar war). Nach der vorangegangenen, langanhaltenden, fast sommerlichen Wetterperiode ist das Zugverhalten aktuell nicht so ausgeprägt: einstellige Temperaturen, Regenfälle, Schneeregen und Wind sind ungünstige Ausgangsbedingungen für entsprechende Vogel-Beobachtungen. Ein Großteil der Zugvögel dürfte schon weitergezogen sein, andere sind noch nicht angekommen. Darunter auch am Halsbach beheimateten Brutvögel wie die Rohrsänger. Entsprechend „mager“ war die Zahl der bei der Exkursion beobachteten Vogelarten. Es dominierten Stockenten und die gebietsfremde Nilgans.

Joachim Wolle erklärte den Teilnehmer sehr anschaulich die Entwicklung des Gebietes vom landwirtschaftlichen Rückhaltebecken in DDR-Zeiten hin zu einem naturnahen, strukturierten Gewässer von überregionaler Bedeutung als Rastplatz für Zugvögel. Die Naturschutzeinrichtungen der Landkreise (früher STL heute ERZ) haben zahlreiche Anstrengungen unternommen, um das Gebiet aufzuwerten: weitere Gewässeranlagen, Biotopgestaltungen, Renaturierungen und Extensivierungen wurden realisiert. Es wurden neue Gewässer angelegt, Inseln modelliert, Kopfweiden, abschirmende Gehölze und Hecken gepflanzt, Steinhaufen angelegt und Wiesen extensiv gemäht. Durch gezieltes Wassermanagement wird dafür gesorgt, dass schadstoffbelastetes Bachwasser gefiltert wird und die Teiche und Tümpel heute auch als Amphibienlaichgewässer fungieren können.

Das Gebiet des Niederen Halsbaches ist heute mit den Flächennaturdenkmalen (FND) „Niederer Halsbach“ und „Staubecken Niederer Halsbach“ geschützt. Das Naturschutzzentrum Erzgebirge mit seiner Außenstelle Zwönitz kümmert sich auch weiterhin um dessen naturschutzgerechte Pflege: regelmäßiger Kopfweiden-Schnitt, Wiesenmahd und auch Gehölzpflege ganz allgemein, damit der halboffene Charakter erhalten bleibt.

Der Fischotter ist im Gebiet aktiv, wir konnten einen entsprechenden Fischotterwechsel im Gelände ausmachen. Dieser interessiert sich eher für die Fische in den Gewässern, die trotz Aufgabe jeglicher fischereilicher Nutzung in den Teichen vorhanden sind. Als Nahrungsopportunist frisst er allerdings alles, was er erbeuten kann. Das können natürlich auch Amphibien oder kleine Wasservögel sein. Damit ist er aber Teil der natürlichen Nahrungskette im Feuchtgebiet.

Leider wird der Bruterfolg der ansässigen Brutvögel aber getrübt durch die Anwesenheit von weiteren Prädatoren, darunter die gebietsfremden Neozoen Mink und Waschbär (beide invasiv) sowie Marderhund (potenziell invasiv), welche z.B. die Gelege räubern oder Jungvögel dezimieren.

►Hier können Sie sich über gebietsfremde und invasive Tier- und Pflanzenarten informieren:

https://neobiota.bfn.de

Darüber hinaus wird das Feuchtgebiet am Niederen Halsbach durch vielerlei Begängnis, durch Spaziergänger, Reiter, freilaufende Hunde aber auch durch Naturfotografen beeinträchtigt. Diese wirken sich störend aus, zumal es keine wegemäßige Erschließung des Gebietes gibt. Zwar gibt es eingangs eine informative Tafel und eine ordnungsgemäße Beschilderung der Schutzgebiete, aber da scheint Erholungsuchende, Gassigänger und „Naturfreunde“ nicht abzuhalten. Hier ist keine Lösung in Sicht.

Fazit: das im Rahmen von Naturschutzmaßnahmen abwechslungsreich gestaltete Feuchtgebiet am Niederen Halsbach bietet für viele Arten geeigneten Lebensraum und ist darüber hinaus wertvolles Rastgebiet für Zugvögel. Ob dieses kleinräumige Schutzgebiet aber perspektivisch ausreichend für das Fortbestehen der Arten ist, ist mit Blick auf den allerorts zu beklagenden Artenrückgang mehr als ungewiss.


Fotos Slideshow: ©Ines Schürer

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